Insektensterben in Deutschland

Was schon lange prophezeit wurde, ist aufgrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse traurige – und gleichzeitig stark alarmierende – Gewissheit. Die Population von Insekten wie Bienen, Käfer, Fliegen, Motten und Schmetterlinge ist drastisch gesunken. Das Insektensterben ist sogar noch dramatischer, als bisher angenommen. Das belegt nun eine Studie, die von deutschen, britischen und niederländischen Wissenschaftlern durchgeführt und im Wissenschaftsjournal “PlosOne” veröffentlicht wurde. “Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern wie das Insektensterben zu stoppen ist”, heißt es auf der Website des Naturschutzbunds NABU.

Biene an gelber BlüteDarum sind Insekten so wichtig für unser Ökosystem

Viele Menschen fühlen sich von Insekten eher gestört, als dass sie groß Rücksicht auf die Tiere nehmen. Mücken führen zu juckenden Stichen. Bienen setzen sich auf unsere Süßspeisen. Fliegen treiben uns mit ihrem monotonen Gesumme schier in den Wahnsinn. Trotzdem sind Insekten extrem wichtig für unser Ökosystem. Denn Insekten bestäuben 80 % der wild wachsenden Pflanzen. Ohne sie kann also nichts wachsen – ohne Insekten bricht unser gesamtes Ökosystem zusammen.

Außerdem ernähren sich etwa 60 % der Vogelarten von Insekten. In den letzten Jahren konnte sich in einigen Gebieten ein Rückgang von insektenfressenden Vögeln und Säugetieren verzeichnen lassen. Die Ergebnisse der Studie könnten hier also den Grund dafür liefern.

Alarmierende Erkenntnisse

Über viele Jahrzehnte hinweg sammelten ehrenamtliche Insektenkundler des Entomologischen Vereins Krefeld Daten, die nun von Wissenschaftlern von der niederländischen Radboud University in Nijmegen ausgewertet wurden. Damit will der Verein auf die Gefahr des Insektensterbens aufmerksam machen. Um verlässliche Daten sammeln zu können, kamen spezielle Netzvorrichtungen zu Einsatz. Sogenannte Malaise-Fallen. Das Ergebnis: In den letzten 27 Jahren ist die Masse der gesammelten Insekten in 63 verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg um ganze 75 % geschrumpft.

“Ein Schwund wurde bereits lange vermutet, aber er ist noch größer als bisher angenommen”, so der Studienautor Caspar Hallmann. Er wertete gemeinsam mit seinem Team die Daten an der niederländischen Radboud University in Nijmegen aus. Dies sei die erste Langzeitstudie, die Ergebnisse dieser Qualität liefert. Das heißt auch: Das Insektensterben ist wissenschaftlich bewiesene Realität. Noch alarmierender ist, dass die Ergebnisse aus Naturschutzgebieten stammen.

Auch Dave Goulson schätzt die Entwicklungen als höchst dramatisch ein. Er fungierte als Co-Autor der Studie an der britischen Sussex University: “Insekten machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Wie es scheint, machen wir große Landstriche unbewohnbar für die meisten Formen des Lebens und befinden uns gegenwärtig auf dem Kurs zu einem ökologischen Armageddon. Bei dem derzeit eingeschlagenen Weg werden unsere Enkel eine hochgradig verarmte Welt erben.”

Toter Schmetterling auf BaumstumpfDie Ursache für das Insektensterben ist nicht eindeutig

Als Ursache für den Insektenschwund vermuten die Wissenschaftler verschiedene Faktoren. So können die Gründe der gegenwärtige Klimawandel sowie ein starker Anstieg der Landwirtschaft und eine starke Zunahme der Bebauung, die natürlich auf Kosten der Natur geht, sein. Trotzdem: Eine wirklich eindeutige und vor allem wissenschaftlich belegbare Erklärung gibt es nicht. Man dürfe aber keine voreiligen Schlüsse in Richtung Landwirtschaft ziehen, weiß Bernhard Krüsken, Generalsekretär des deutschen Bauernbundes: “In Anbetracht der Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, verbieten sich voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft. Die neue Studie bestätigt und betont ausdrücklich, dass es noch dringenden Forschungsbedarf zum Umfang und den Ursachen des dargestellten Insektenrückgangs gibt.” Dennoch kann der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft durchaus eine Rolle spielen.

Was können wir gegen das Insektensterben tun?

Der Naturschutzbund (NABU) zieht die Schlussfolgerung, dass es notwendig ist, dass Landwirte, die in oder an Schutzgebieten Landwirtschaft betreiben, den Naturschutzbehörden sowohl die Wirkstoffe als auch die Menge der eingesetzten Pestizide mitteilen müssen. Weiter fordert der Bund eine drastische Reduktion des Pestizideinsatzes und ein Verbot aller Pestizide auf der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Landesfläche. Außerdem sei die Überarbeitung der EU- und länderspezifischen Zulassungsverfahren für ökotoxische Pestizide notwendig.

Es sei erforderlich, realitätsnah die Wirkungen für typische Ökosysteme in die Prüfverfahren zu integrieren. Das schließt die Toxizitätsüberprüfung von Tankmischungen und Mittelkombinationen mit ein. Als letzter Punkt wird angemerkt, dass die Etablierung eines langfristig angelegten, bundesweiten Insektenmonitorings notwendig sei. Hier könnte laut NABU Nordrhein-Westfalen als Vorbild dienen, da das Land seit 2017 begonnen hat, 100 Standorte im Land regelmäßig zu beproben. Die Bundesregierung muss zudem einen Schwerpunkt auf die Erforschung und den Schutz der biologischen Vielfalt legen.

Hanna | DeineTierwelt

Contentmanagement & PR

Redakteurin bei DeineTierwelt, Social Media Managerin und Hundemama.

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